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Modellraketen Knowhow

Modellraketen in Deutschland

In Deutschland gibt es eine traditionell sehr starke Spielzeugindustrie und auch der Modellbau ist gut entwickelt. Leider sind im Flugmodellbau hauptsächlich Modellflugzeuge und Hubschrauber vertreten, Modellraketen sieht man seltener.

Händler & Hersteller

Die beiden führenden amerikanischen Anbieter Estes und Quest sind mit lokalen Importeuren (Ripmax und Klima) vertreten, die auch den Fachhandel beliefern. In gut sortierten Modellbaugeschäften und Spielwarenläden mit Modellbau-Abteilung findet man daher mit etwas Glück auch Modellraketen. Daneben gibt es eine Reihe von Spezialversendern, die über Internetshops Raketen verkaufen.

Angeboten werden größtenteils Modelle und Zubehör von Quest und Estes sowie die Treibsätze von Estes und Sachsen Feuerwerk, einem deutschen Hersteller, der inzwischen auch Motoren für den US-Markt und die Marke Quest produziert. Wegen der restriktiven Bestimmungen werden Mid- und High-Power Treibsätze und Modelle wie die des Herstellers AeroTech in Deutschland nicht angeboten.

Bestimmungen

Die deutschen Bestimmungen und Gesetze, die für Modellraketen gelten, stammen größtenteils unverändert aus den 70er Jahren. Sie wurden im Laufe der Jahre nicht, wie in vielen anderen Ländern, den neuen technischen Gegebenheiten nach oben angepasst. Zum damaligen Zeitpunkt waren ausschließlich Schwarzpulver-Motoren auf dem Markt, die heute erhältlichen wesentlich schubstärkeren Mid- und High-Power Motoren auf Compositbasis sind wegen der restriktiven Ausgangslage (frei verkäuflich nur bis 20 Gramm Füllgewicht) in Deutschland immer noch nicht erhältlich. 

Die Mehrheit der deutschen Raketenflieger wünscht sich daher eine Anpassung der Bestimmungen an internationale Standards, eine Gruppe von Traditionalisten ist der Auffassung, daß eher alles beim alten bleiben sollte. Ende 1999 kam es zur Gründung der vereinsübergreifenden Initiative Modellraketen 2000. Aus dieser Aktion ging später die Interessengemeinschaft Modellraketen (IMR) hervor. Seitdem bemüht man sich in kleinen Schritten, eine Verbesserung zu erreichen, auch wenn dabei nicht alle Raketenflieger in Deutschland an einem Strick ziehen und damit einen schnelleren Durchbruch verhindern.

Raketenszene und Vereine

In Deutschland existieren wenige lokale Gruppen wie der Modellraketenverein München und ein bundesweiter Dachverein, die IMR.

Wie überall ist der Kern der "Power-Aktivisten" relativ klein, während die Zahl der insgesamt aktiven Raketenflieger (mind. 1-2 Start pro Jahr) auf etwa 10.000 geschätzt wird. In Vereinen sind schätzungsweise 150-200 Raketenflieger organisiert.

Entwicklung

Bereits in den 60er und 70er Jahren setze die Entwicklung des Modellraketen-Hobbys ein. Bis in die 80er Jahre gab es jedoch keine eigenständigen Vereine für Modellraketen. Der Modellraketenflug wurde als "technisch-wissenschaftliche" Unterabteilung von raumfahrtorientierten Vereinigungen recht stiefmütterlich behandelt. Modellraketen waren unter der Devise "Sport, Lehre und Forschung" nur zur Nachwuchsförderung, zu semiprofessionellen Forschungszwecken oder unter leistungssportlichen Aspekten geduldet. Die Freizeit- und Hobbyflieger wurden eher mißtrauisch betrachtet. Eine Tradition, die von konservativen Strömungen innerhalb der deutschen Raketenszene bis heute im Prinzip beibehalten wurde. 

Folglich blieb auch das Interesse an Modellraketen gering, bis Anfang der 80er Jahre die ersten Modellraketenvereine wie der FMC Saturn in Schleswig-Holstein, die WASA in Oberbayern oder der MMV (heute Modellraketenverein München) entstanden, die sich auch dem Hobbybereich widmeten. Dazu kam, daß durch die gesetzlichen Bestimmungen der Handel sehr eingeschränkt war und ist. Bereits Ende der 60er Jahre gab es erste Ansätze, Modellraketenprodukte zu Hobbyzwecken zu vertreiben. Versandhändler wie Dreimann und ESE entstanden, die auch amerikanische Produkte (Estes, FSI) auf den Markt brachten und langsam eine Lockerung des "Held-Monopols" brachten und damit die Konstruktionsmöglichkeiten erweiterten. Denn bis dato stand nur ein einziger Treibsatz (Held 1000) zur Verfügung, der durch seine Charakteristik nur bedingt für Modellraketen verwendbar ist. Um 1978 startete Mattel einen Versuch, Modellraketen von Estes auf breiter Basis im Handel einzuführen, was jedoch nicht den gewünschten Erfolg brachte.

Als Nachfolger versuchten sich, mit mehr oder minder mäßigem Erfolg, größere Firmen wie Robbe, Gama (Trix/Mangold-Gruppe), Umarex (Waffenhersteller) oder Simprop. Dem Nürnberger Hersteller Plastik Schelter (PSN) gelang es, ab den späten 70er Jahren ein kleines Sortiment von Fertigmodellen im Fachhandel zu plazieren.

1986 erschien mit Countdown erstmals ein vereinsunabhängiges Magazin für Modellraketen, 1988 kam mit dem Buch Fliegende Modellraketen - selbst gebaut von Oliver Missbach das erste Fachbuch über Modellraketen eines deutschsprachigen Autors heraus. 1984 startete in Stellau/Schleswig Holstein der erste FAI-Wettbewerb für Modellraketensport. 1988 machte das Modellraketen-Festival bei Traunstein Furore: Erstmals war es gelungen, eine große internationale Flugveranstaltung für Modellraketen in Deutschland durchzuziehen.

Mitte bis Ende der 90er Jahre half das Internet erstmals, Modellraketenflieger zu vernetzen. 1997 ging mit European Model Rocketry die erste deutschsprachige Site über Modellraketen ins Netz, 1998 startete auf Countdown Online mit dem vereinsunabhängigen Modellraketen Forum das erste Diskussionsbrett. Daraus entwickelte sich über die Aktion Modellraketen eine unabhängige, bundesweite Initiative, u.a. mit dem Ziel, die gesetzlichen Bestimmungen zu verbessern. Die Aktion mündete in die Gründung der IMR als überregionalen Dachverein für Modellraketen.

Siehe auch:

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Interessengemeinschaft Modellraketen e.V. (IMR)

Modellraketenverein München

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