Estes Classics: Explorer Aquarius - auf den Spuren der Discovery

Wer kennt es nicht, das Jupiterraumschiff Discovery aus dem Film "2001 - Odyssee im Weltraum". Eine Kugelkabine für die Mannschaft, ein langer Rumpf mit außen angebrachten Treibstoff-Behältern und ein Triebwerksblock: So stellte man sich Ende der 60er Jahre ein zweckmäßiges interplanetares Raumschiff vor. Ein Design, das sich auch die Estes-Konstrukteure (zu Zeiten, als "Fantasie" für sie noch kein Fremdwort war) für eine außergewöhnliche Modellrakete zu eigen machten - die Explorer Aquarius.

18 Treibstofftanks warten auf ihre Befestigung

Das "Raumschiff der Galaxy-Klasse" (Trekker werden den Begriff anderweitig einordnen) wandert in einem stabilen Karton über den Ladentisch, ein Kontrast zu den PE-Beuteln üblicher Bausätze. Zuhause kullert einem eine riesige Zahl von Einzelteilen entgegen. Neben dem üblichen Rumpfrohr nebst Acessoires wie Halter für 24mm-Motoren und einem Balsa-Brettchen mit vorgestanzten Flossen enthält der Bausatz noch eine eigentümlich geformte Spitze - die "Mannschaftskabine" - sowie die "Fuel Tanks", zwölf kurze und sechs längere Röhrchen nebst 36 Verschluss-Scheibchen. Außer, dass die Montage der Tanks eine ziemliche Fummelei ist, weist der Bau der Rakete (Schwierigkeitsgrad 4) bisher keine sonderlichen Probleme auf. Komplizierter wird es allerdings, die "Treibstoffbehälter" am Rumpf zu befestigen. Neben den üblichen Hilfslinien für die Flossen sind weitere sechs Markierungen für die Röhrchen einzuzeichnen. Die Tanks selber werden abschnittsweise aufgeklebt; mit Ponal Express hält sich die Wartezeit in Grenzen. Wichtig: Die Ausrichtung muss exakt stimmen - nicht nur der Aerodynamik wegen. Die Aquarius ist nunmal ein Designerstück, und da sehen schlampig angebrachte Teile entsprechend würgig aus.

Ponal in Aktion: Zwei Drittel sind geschafft

Mit dem letzten aufgeklebten Tank ist die Fummelei aber noch nicht zuende. Das Modell braucht kräftig Farbe - es dürfte nicht gelingen, beim ersten Sprühgang in alle Spalten zwischen den Tanks zu gelangen. Und die Flossen, auf denen später großflächige Abziehbilder angebracht werden, müssen so glatt wie möglich gehalten werden. Mehrere Gänge mit Porenfüller sowie einige Schichten Lack, zwischendurch ein paar Behandlungen mit feinstem Schleifpapier - so wird letztendlich das Teil zart wie ein Babypopo.

Fast fertig. Jetzt fehlt nur noch das Finish

Die unzähligen Abziehbilder schließlich sind schneller angebracht als zunächst befürchtet. Die Flossen sind als Solarzellen getarnt, da ein interplanetares Raumschiff ja eigentlich keine Stabilisatoren braucht (das weitab der Sonne die Photo-Elemente sinnlos sind, soll hier nicht weiter stören...). Probleme tauchen eigentlich nur auf bei dem Versuch, die ebenen Decals auf der Kugelfläche der Kabine anzubringen. Auch Zerschneiden löst das Faltendilemma nur unzureichend. Aber damit kann man leben. Eine abschließende Schicht Klarlack schützt das Ganze.

Bereit zur Erforschung ferner Galaxien

Und nun steht der Rocketeer vor der Gewissensfrage: Fliegen lassen oder nicht. Wer ersteres wagt: Estes empfiehlt als Motorisierung den D 12-3 bzw. -5 und den Maxi-Rod. Es gibt aber auch gute Gründe, das Modell nicht den Gefahren eines richtigen Fluges auszusetzen. So dürfte aufgrund der zahlreichen Anbauteile die Aerodynamik ohnehin keine außergewöhnlichen Leistungen bescheren. Und jeder Kratzer zerstört den außergewöhnlichen visuellen Eindruck. Für die Flug-Verweigerer hat Estes eine Schmuck-Brennkammer mit eingepackt, die über die Motorhalterung gestülpt wird und den Raumschiff-Look komplettiert. Mit einem Ständer aus einem halbierten Gardinenring und zweier Rundhölzer wird die Aquarius Wohnzimmer-fein - welche Ehefrau kann zu diesem Schmuckstück schon Nein sagen...


Technische Details:

Länge: 55 cm
Gewicht (ohne Motoren): ca. 120 Gramm
Durchmesser: 70 mm
Motoren: 1x D12
Bergung: Fallschirm

Text und Fotos: Peter Gisder

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